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Nicht alle Tage hat man die Moeglichkeit ein russisches Grossraumflugzeug vom Typ IL-76 MDK (das "K" in der Bezeichnung steht für Kosmonaut, wovon es nur drei Stueck diesen Typs gibt) mal von innen zu besichtigen und dann dort auch noch fotografieren zu duerfen. Um so groeßer unser Erstaunen, da es sich hier um ein fliegendes Testlabor fuer Kosmonauten handelte. In diesem Flugzeug werden Kosmonauten fuer ihren Trip in den Orbit trainiert und schon mal an das Gefuehl der Schwerelosigkeit gewoehnt. Dieses unvergessliche Erlebnis sollte uns nicht vorenthalten bleiben und ich moechte behaupten, dieses Gefuehl kann man auf Erden nicht simulieren oder spueren. Das hat auch nichts mit freiem Fall oder Tauchen zu tun, wonach ich in Gespraechen immer wieder gefragt werde. Um die Schwerelosigkeit zu simulieren setzt der Pilot zu sog. Parabelfluegen an (siehe Diagramm am Ende des Berichts). Bei einem Steigflug mit 45° Anstellwinkel wird noch vor Erreichen des Scheitelpunktes die Triebwerkleistung bis auf Idle (Leerlauf) gedrosselt, so dass sich das Flugzeug in einem nahezu antriebslosen Zustand befindet. Erst nach ca. 12sec Sinkflug wird durch Hochfahren der Triebwerksleistung und gleichzeitigem Ziehen am Hoehenruder das Flugzeug wieder abgefangen und man spuert sein doppeltes Eigengewicht. Auf unserem Flug absolvierten wir insgesamt sieben Parabeln mit einer Schwerelosigkeit von jeweils 28sec Laenge, wovon die ersten fuenf wirklich sensationell waren. In der sechsten Parabel griff ich dann zur Tuete und die letzte Parabel wollte gar nicht mehr enden...*kotz*
Der "Frachtraum", der uns zur Verfuegung stand, hat die Abmasse von ca. 25m x 4m x 3,5m (LxBxH). Am vorderen Ende, in Flugrichtung, befinden sich einige Instrumententafeln und Sitze fuer sechs Crewmitglieder. Von hier aus werden die "Schwerelosen" ueberwacht und es besteht Verbindung zum Piloten, um im Fall der Faelle die Parabelfluege abbrechen zu lassen.
Vor jedem Flug muss jeder Fluggast beim "Doc" (rechtes Bild, Mitte sitzend) vorbei schauen, Puls und Blutdruck werden ueberprueft. Jemand mit 'nem schwachen Herz oder Bluthochdruck sollte aus eigener Sicherheit auf solch einen Flug verzichten. Hier werden gerade die pers. Daten von meinem "Mitflieger" Reto Schneeberger aufgenommen und in eine Liste eingetragen.
Auch Chris Schmid stellt sich dem Fliegerarzt, der uns den kompletten Flug begleitete und immer im Blick hatte. Nach der aerztlichen Untersuchung empfaengt jeder seine "Kotztuete", wohl wissend was auf mich und meinem Magen zu kommen wird, hatte ich bereits zwei dieser Tueten als Vorrat griffbereit fuer mich verstaut. Abschliessend erhaelt jeder Flugteilnehmer fuer die Takeoff-Phase einen Fallschirm und eine Kurzeinweisung auf Funktion und Gebrauch des selbigen.
Meine drei Flugbegleiter (linkes Bild) von links nach rechts: Michael Peinsitt, Chris Schmid und Reto Schneeberger. Gemuetlich nahmen wir auf den Schaumstoffmatten Platz, denn Sitze gab es ja keine an Bord...auch keine Toiletten und keine Fenster um raus zu schauen!
"Auf was habe ich mich da nur eingelassen" schiesst es mir durch den Kopf als wir auf dem Taxiway in Richtung Startbahn rollen. 75% Triebwerkleistung...20 Sekunden die Instrumente beobachten und checken...volle Triebwerksleistung...die Bremsen los und wir beschleunigen immer schneller bis wir die Abhebegeschwindigkeit erreicht haben. Da wir keine Fenster im Frachtraum haben, verliert man das Gefuehl fuer Hoehe und der Geschwindigkeit. Wir naehern uns schnell dem zugeordneten Luftkorridor und der uns zugewiesenen Flughoehe. Auf Kommando der Instruktoren duerfen wir uns nun wieder des Fallschirms entledigen. Bevor man die Schwerelosigkeit geniessen kann, wird man mit ca. +2G in die Schaumstoffmatten gedrueckt und man hat das Gefuehl, eine unsichtbare Kraft zieht an einem in Richtung Boden. Ein Leuchtzeichen an der Frachtraumdecke kuendigt an, in fuenf Sekunden gehts los.
Was mich jetzt "packt" und was mich "durchfaehrt" ist in Worten kaum zu beschreiben! Ein irres Gefuehl von Freiheit, nichts drueckt mehr, nichts zieht mehr, man ist total "frei"...ICH SCHWEBE! Ein wirklich unbeschreibbares Gefuehl, wie ich es so zuvor noch nie erlebt hatte, durchfliesst meinen ganzen Koerper. Die Realitaet holt mich aber schnell wieder ein, denn ehe ich mich versehe, drifte ich auch schon in Richtung Frachtraumdecke.
Was fuer ein irres Gefuehl...? Gerade noch mit +2G in die Schaumstoffmatte gedrueckt, schon schwebt man innerhalb 2sec einfach so im Frachtraum umher. Nur gut, dass die Instruktoren auf uns aufpassen und uns tatkraeftig zur Seite stehen. Mit dem Fuss am Boden eingehakt koennen sie uns lenken und verlieren so selbst nie den eigenen Halt unter den Fuessen.
In den Gesichtern der Mitflieger sieht man deutlich deren Spass und die Freude, die dieses schwerelose Gefuehl vermittelt.
Links oben im Bild schwebt einem Kameramann gerade die Cam davon. Im Hintergrund schwebt ein Crewmitglied mal eben so an der Decke und in den beiden anderen Bildern wird deutlich was passiert, wenn man nur kurz seinen Halt verliert...*schweb*
Waehrend weiteren Parabeln wird Michi zum "Spielball" und schwebt an der Hand eines Crewmitglieds.
Ein paar Drehungen und Ueberschlaege, er zeigt groesstes Gefallen daran. Wobei ich inzwischen schon mit meinem Magen kaempfe und versuche, die folgenden +2G liegend besser zu verkraften. Ein bisschen Entspannen, Ablenken und ein paar mal tief durchatmen...soll helfen!
In Parabel Nummer drei komme ich auf die Idee, mich mit der Hand hinterm Ruecken am sicheren Handlauf einfach mal selbst auf den Kopf zu stellen. Zu meiner Freude klappt das bestens und ich fotografiere einfach kopfueber weiter. Achten sollte man aber immer auf das zwanzig Sekunden Signal des Piloten und sich dann so langsam in Richtung Normallage begeben.
Hier sind Viktor und Chris in den Haenden der Crew und werden auf Leib und Magen getestet...*grins*
Michi kanns nicht lassen und fliegt ein ums andere Mal im Frachtraum umher. Im rechten Bild driftet Viktor schon wieder weg...
Auf unserem Flug hatten wir ein Mitglied der "Royal Family" mit an Bord, das sichtbar auch seinen Spass am "Batman"-Leben hatte. Auch fuer ihn ging ein Traum in Erfuellung, wie er mir in einem kurzen Gespraech vor dem Flug erzaehlte.
Ein paar
technische Daten der IL-76 MDK:
Nach ueberstandenem Flug gab es fuer die Teilnehmer eine offizielle Urkunde (siehe unten rechts). Dann noch ein abschliessendes Fachgespraech mit dem russischen Kosmonauten Yuri Pavlovich Gidzenko, der u.a. schon drei Mal im Weltraum war, 1x auf der MIR und 2x auf der ISS. Insgesamt verbrachte er 330 Tage im Weltraum und unternahm in dieser Zeit zwei EVAs(Weltraumspaziergaenge). Gedankenversunken und noch immer das Gefuehl der Schwerelosigkeit im Bauch lassen wir den Tag noch gemuetlich ausklingen... Unten links zeigt die Grafik den Parabelflugverlauf...
Ich zitiere:
"Du hast die Schwerkraft ueberwunden, jetzt kannst Du alles ueberwinden!"
Ganz herzlich moechte ich mich bei allen
Beteiligten bedanken, die es mir ermoeglichten, diesen absolut
gigantischen |