Onboard einer L-39 des Team "Rus" ueber Vjazma/ Russland

Am ersten Tag unserer Russlandreise besuchten wir das Jetkunstflugteam "Rus" in Vjazma, gute 4h Busfahrt von Moskau in suedwestlicher Richtung entfernt. Auf dem Programm stand, natuerlich nur fuer die Freiwilligen, ein Mitflug in einem L-39 Jet.
Ein "Ritt" auf einem Schleudersitz in einem so kleinen Jet war schon immer ein Traum von mir...und Traeume soll man sich ja bekanntlich erfuellen...*grins*
Die Aerztliche Vorfluguntersuchung bestand darin, gewogen zu werden, Puls und Blutdruck sollten auch im Rahmen des Normalen sein...mein Puls lag bei 85, YEAH...ich bin dabei. Danach noch schnell auf den Schleudersitzdummi um das Gefuehl des Druckpunktes und den handgrifflichen Ablauf im Notfall bei einem Ausstieg zu trainieren.

Links von mir ist Renč No6, rechts ist Reto No1 zu sehen. "Ready for taxi" erhallt es im Kopfhoerer und wir rollen im Konvoi in Richtung Runway.

Jeder Pilot nimmt nach vorheriger Absprache und Briefing Stellung auf der Runway auf. Wir starten in einer Dreierformation, wobei die vierte L-39 direkt nach dem Takeoff zu uns aufschliesst waehrend Reto als Fotoflieger im sicheren Abstand die komplette Gruppe umkurvt.

Vorher im Briefing haben Reto und ich noch kraeftig mitgemischt und haben das Flugprogramm bzw. die Positionen der einzelnen Flugzeuge sowie die Figuren "etwas" umgebaut. Jeder sollte mal die Moeglichkeit haben, die ganze Gruppe, links, rechts oder als Leader zu fungieren und so zu seinen besten Bildern zu gelangen. Fototechnisch uninteressante Figuren wurden auf unser Anraten hin einfach gestrichen oder kurzer Hand umgebaut...ich fange an, Russland zu lieben! *grins*

Wir setzen zum ersten Formationsturn an, unsere Fluggeschwindigkeit betraegt ca. 400km/h. "Ein Wahnsinn so dicht bei der Geschwindigkeit" schiesst es mir durch den Kopf...ich spuere meinen Puls am Hals.

Formationswechsel steht an, alle schoen in einer Linie. Jetzt kommen auch Florian No15 und Thomas No3 ins Bild. Weiter hinten ist auch noch Reto No1 unser Fotoflieger zu sehen. Abgelenkt durch die Fotografiererei und das staendige Chipwechseln an meiner Digitalkamera beruhigt sich mein Puls wieder in Richtung "normal".


Foto by Reto Schneeberger

Foto by Reto Schneeberger

Foto by Reto Schneeberger

Waehrend all dem schiebt sich fast unbemerkt unser "Fotoflieger" heran und haelt alles schoen im Kasten fest...

Jeweils der links aussenfliegende fuehrt die Formation kurz an, bricht nach links unten weg und taucht unter der Formation hinweg um von rechts wieder an die Formation auf zu schliessen...Fliegen macht Spass! In Formation stechen wir ueber den Flugplatz weg. Deutlich sieht man von hier oben die anderen Fotografen unserer Reisegruppe.


Foto by Reto Schneeberger

Foto by Reto Schneeberger

Foto by Reto Schneeberger

"Diamond" oder auch "Line up", unser Flugprogramm haelt wirklich was es verspricht. Die Piloten verstehen ihr Handwerk und fliegen in einer Genauigkeit wie ich sie nur von meiner Formalausbildung beim Bund her kenne...

Ich versuche noch ein paar Selbstbildnisse auf den Chip zu bannen, da zieht der Leader der Formation links hoch in einer steilen Kurve an uns vorbei. "Hoppala" denke ich mir, wenn wir gleich das Selbe machen wird es aber hart mit der G-Belastung, die bisher bei max. 2,5G lag. Diese Gedanken rasen mir so durch den Kopf, als ich ploetzlich nicht mehr normal atmen kann. Die Arme werden schwer wie Blei, ich bekomme die Kamera nicht mehr angehoben. Mein Magen wird bis auf die Knie gezogen...das gar nicht gut! Deutlich spuere ich die 4,5G-Belastung auch im Gesicht. Das war eine Erfahrung, die ich so vorher noch nie verspuert hatte. Irgendwie ist es ein klasse Gefuehl, wenn unsichtbare Kraefte so an einem reissen und ziehen.
In sicheren Abstaenden setzten die Piloten einzeln zur Landung an und schnell haben wir wieder festen Boden unter den Fuessen. Ich habe meinen ersten Jetflug auf einem Schleudersitz bestens ueberstanden, das schreit nach Wiederholung...


Foto by Reto Schneeberger

Fazit:
Man(n) muss sich ab und zu auch einen echten Traum erfuellen, erst dann macht das Leben Sinn und Spass.

 

Ganz herzlich moechte ich mich bei den Piloten bedanken, die uns an ihrem freien Wochenende zur Verfuegung standen
und bei meinen Fluegelmaennern
Florian Fritz No15, Renč Huber No6 und Thomas Hofer No3 sowie bei dem Fotoflieger Reto Schneeberger No1.