Onboard einer L-29 der "SASOL TIGER"s ueber Al Ain/ U.A.E.

Die Sasol Tigers sind eines der wenigen Kunstflugteam in privatem Besitz, zu Hause in Suedafrika. Mit ihren Aero L-29 "Delfin"s waren sie u.a. einer der Hoehepunkte auf der Aerobatic Airshow in Al Ain/ UAE im Januar 2006. Die "Tigerlackierung" ist zu Ehren der 41st Sq. der Tschechischen Luftwaffe, die diesen Jettrainer in den Jahren 1960 bis 1973 u.a. in Auftrag gab und von der Firma Aero Vodochody in der damaligen Tschechoslowakei gebaut wurde. Russland und seine Brudernationen des ehem. Warschauer Pakts gaben den Auftrag fuer mehr als 3000 Exemplare, wo von heute nur noch eine kleine Stueckzahl flugtauglich ist. Die "Delfin" diente neben der fliegerischen Jetgrundausbildung noch der Waffen- und Einsatzausbildung.

Nachdem die Airshow kurzerhand wegen einem Sandsturm am Samstag um einen Tag verlaengert wurde, Pilot No. 3 der Tigers aber wegen einem wichtigen Termin rechtzeitig am Sonntag abreisen musste, hatte das verbliebene Team für den Montag morgen noch einen Trainingsflug angesetzt, wo das neue Formationsbild mit nur zwei Maschinen nochmals trainiert werden sollte.

Einen passenden Fliegerkombi übergestreift, kurze aber recht ausfuehrliche Cockpiteinweisung vom Pilot und ehe ich mich versah, sass ich angeschnallt auf einem Schleudersitz als Backseat'er des Leaders. "Beim Kommando JUMP JUMP JUMP diesen Hebel nach vorne druecken und dann hier dran ziehen", klang es mir noch in den Ohren, als sich das Kabinendach ueber mich schloss...mein Puls setzt sich in Bewegung.
Habe ich alles sicher verstaut...ist mein Gurt auch richtig fest...wo ist Reto, mein Wingman...stimmen die Einstellungen an der Kamera...? Das sind alles Fragen, die einem so durch den Kopf schiessen, wenn man startklar auf der Runway steht und auf die Flugfreigabe wartet.
Im Kopfhoerer ist vom Tower "Runway clear for Take off" zu hoeren. Schon loest der Leader die Bremse und wir setzen uns als Zweierformation in Bewegung...
mein Puls auch.

Abhebegeschwindigkeit erreicht, Nose wheel up und wir verlassen den sicheren Boden. Jetzt kommen mir ploetzlich solche Gedanken wie..."auf was hab ich mich da nur ein gelassen"..."muss man sich so was freiwillig an tun"..."welchen Hebel soll ich umlegen"..."wo soll ich nicht drauf druecken"..."ist mein Gurt auch fest"? Es geht in eine leichte Linkskurve in Richtung Wueste.
Keine Turbolenzen, kein Wackeln oder Rucken, ein richtig schoenes sanftes Gleiten, "hm, ist ja gar nicht so schlimm wie ich dachte", das macht ja sogar Spass...mein Puls duerfte recht normal sein.

Und da kommt ploetzlich unser Wingman mit seinem Backseater Reto ins Bild. Was fuer ein herrliches Licht auf dieser genialen Lackierung, dazu noch der morgentliche Wuestenboden, ein Traum fuer jeden Flugzeugliebhaber. Fluegelspitzenabstand schaetze ich mal so auf ca. 2-3m, "die Piloten habens aber drauf" denke ich so, als wir ueber dieser fantastischen Kulisse zu einem 360° Turn ansetzen...mein Puls steigt wieder.

Direkt aus diesem Turn heraus setzt die 2er-Formation zu einem Looping an. Nur noch den Himmel vor Augen geht es auch schon in den Zero-G-Punkt ueber, ein klasse Gefuehl, so hoch oben und schwerelos. Bevor ich meinem Ausdruck Freude spenden kann spuere ich auch schon einen erheblichen Druck auf meinem Koerper. Sturzflug, es geht senkrecht der Wueste entgegen. 4,5G Belastung sind fuer einen Ungeuebten wie mich doch eine starke Anstrengung.


Foto by Reto Schneeberger

Foto by Reto Schneeberger

Foto by Reto Schneeberger

Die Atmung fällt schwer, teilweise muss ich zur sog. Pressatmung ueber gehen. Die Arme wiegen das 4.5fache und sind schwer wie Blei, dazu noch die Kamera. Nicht dran zu denken, wenn die Arme auf den Oberschenkeln abgestuetzt sind, mal eben an zu heben und ein Foto zu machen! Es waren dann insgesamt sechs Loopings in Folge, das war heftigst fuer mich und meinen Koerper...mein Puls rast.

OK, die Sache mit den Loopings sitzt, der Leader ist mit seinem Wingman sehr zufrieden und und fragt nach meinem Wohlbefinden. So gerade bekomme ich noch das Wort "fantastisch" ueber die Lippen...ich bin irgendwie fertig, sprachlos, ueberwaeltigt und beeindruckt zu gleich! Die Loopings laufen noch als Film vor meinen Augen ab als wir zu einem "Korkenzieher" ansetzten.


Foto by Reto Schneeberger

Foto by Reto Schneeberger

Foto by Reto Schneeberger

Unser Wingman klebt jetzt an unserem Heck, Reto berichtete mir spaeter von einem Abstand von teilweise unter 2m! Zurueck zum Korkenzieher, das ist eine Kunstflugfigur in der man viele, ja sogar verdammt viele Rollen um die eigene Laengsachse fliegt. Die Welt scheint sich um mich zu drehen, oben ist unten und unten ist oben. Alles geht so schnell, ich komme aus dem Staunen gar nicht heraus. Keine G-Belastung auf dem Koerper bei dieser Figur zu spueren, alles dreht sich, ein recht angenehmes Fliegen...mein Puls rast noch immer.

Die trainierten Kunstflugfiguren sitzen perfekt, das Flugprogramm fuer die Show am Nachmittag kann kommen. Als kleine Zugabe fuer die kunstflugtauglichen Fotografen noch eine weite Runde ueber diese herrliche Landschaft zwischen den UAE und dem Oman.

Fazit:
Ein wirklich beeindruckendes Gefuehl auf dem Ruecksitz eines solchen Kunstflugteam mal Platz nehmen zu duerfen. Ich war nach dem Flug Schweiss gebadet und hatte am naechsten Tag maechtig Muskelkater...mein Puls rasst noch immer.
Ein sehr grosses Problem ist es, bei 4.5G die Speicherkarte seiner Digicam zu wechseln. Daher mein Tip, kopfueber bei Zero-G ist das am einfachsten...*grins*

 

Ganz herzlich moechte ich mich bei den SASOL TIGERs bedanken, die mir diesen Einblick in die Welt
des Jetkunstfluges ermoeglichten und
bei meinem Wingman Reto Schneeberger, der diesen Flug organisierte...