RAAF Museum „Point Cook“ in Australien

In westlicher Richtung, nur 25km entfernt von der Millionenmetropole Melbourne, und von Geelong 35km in oestlicher Richtung liegt die Industrie- und Arbeiterstadt Werribee. Hier im Sueden von Australien findet man das RAAF Museum „Point Cook“. Gegruendet im Jahre 1952 durch Air Marshal Sir George Jones hat das Museum solch feste Formen und Ausmasse angenommen, dass es inzwischen weit über die kontinentale Grenze hin bekannt wurde.Beheimatet auf der aktiven RAAF Base Williams finden auf dem angrenzenden Fluggelaende regelmaessig Flugvorfuehrungen statt, natuerlich nur, sofern der Wettergott mitspielt.Jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag Nachmittag ab 13.00 Uhr ziehen die Piloten für einige Stunden vor staunendem Publikum ihre kunstvoll gezogenen Figuren in den dunkel blauen australischen Himmel.

In vier grossen Hangars, sowie auf dem Freigelaende zwischen und vor diesen Hangars, werden Flugexponate der Sonderklasse dem Publikum vorgestellt. Eine Halle davon dient zur Restaurations- und Wartungsarbeiten, wo man live den Restaurationsfortschritt der einzelnen Exponate begutachten kann. In den anderen Hallen begeht man einen Streifzug durch den Grossteil der australischen Luftfahrtgeschichte, angefangen bei einer Maurice Fairman Shothorn bis hin zur modernen F4 Phantom, von der Bell UH 1D Iroqois bis hin zu einer perfekt restaurierten Canberra, es ist einfach alles zu finden was das Luftfahrtherz begehrt.Durch interessant, dramatisch ausgeleuchtete Hallen, untermalt mit originalen Tonaufzeichnungen von „damals“, haben die Veranstalter es verstanden einen jeden Besucher in ihren Bann zu ziehen und in die Zeit der verschiedenen Epochen der Luftfahrt zu versetzen. Bei absoluter Stille hat man fuer Minuten das Gefuehl sich in einer anderen Welt zu befinden. Drei der Hangars sind vollgestopft mit perfekt restaurierten Exemplaren, in dem vierten Gebaeude ist ein taegliches Treiben von Mechanikern zu bestaunen. Hier ist man live dabei und kann den Restaurateuren ueber die Schulter blicken. Sieht man heute noch ein „Haeufchen Schrott“ in der Ecke auf einem Anhaenger liegen, so kann man sicher nach ein paar Jahren das in seinem alten Glanze wiedererstrahlte Fluggeraet bewundern. Mit viel Glueck sogar an einem der Flugvorfuehrungen in seinem Element begutachten. Z.Zt. ist ein ganzer Trupp von Restaurateuren an dem langjaehrigen Grossprojekt „Mosquito“ beschaeftigt.

Begleiten Sie mich bei einem Rundgang durch die Museumshallen, informieren Sie sich ueber den Fortschritt der Restaurationsarbeiten an der einzigartigen Mosquito und ueberzeugen Sie sich selbst von der Herrlichkeit des RAAF Museums „Point Cook“:


Von keinem anderen westlichen Hubschraubermodell wurden mehr Maschinen hergestellt und für eine Dienstzeit, deren Ende noch offen ist, geplant, als von der Bell UH-1 Iroquise, die liebevoll auch „Huey“ genannt wird. Im Oktober 1956 startete die Huey zum Jungfernflug mit der Bezeichnung XH-40. Dieser Kampf- und Unterstuetzungshubschrauber wurde fuer eine 2 Mann Besatzung und max. 10 Passagiere konzipiert. Den hoechsten Entwicklungsstandard dieser Hubschraubermodelle produzieren die USA, Italien, Japan, Taiwan und die Bundesrepublik Deutschland in Lizenz für viele verschiedene Aufgaben. Nicht nur im militärischen, sondern auch im zivilen Bereich erfuellt die „Huey“ ihre Aufgaben mit Bravour, sei es fuer Such- oder Rettungsaufgaben, Transport- oder Ueberwachungsaufgaben.

Die De Havilland DH 98 Mosquito PR MKXVI  war neben der Junkers Ju 88 das vielseitigste Flugzeug des Zweiten Weltkriegs. Das Flugzeug bestand aus einem Schichtmaterial aus Sperr- und Balsaholz. Nach ihrem Jungfernflug im Dezember 1940 ging die „Mosquito“ in Produktion, weit mehr als 1.500 Exemplare verliessen die Produktionshallen. Wir duerfen gespannt sein, wann dieses Muster hier endlich wieder die Formen eines Flugzeuges annimmt und in seinem alten Glanze dem Publikum vorgefuehrt werden kann.

Einen Einblick in die Restaurations- und Wartungshalle mit „Mosquito“, Pup und Winjeel(von rechts). Hier ist man live dabei und mit viel Glueck hat einer der Mechaniker Zeit fuer ein nettes Gespraech.


Dank ihrer hervorragenden Rundumsicht wird die Commonwealth CA-25 „Winjeel“(in der Eingeborenensprache: Junger Adler) gerne zu Ausbildungzwecken herangezogen. Galt sie doch in erster Linie als Abloesung fuer die in die Jahre gekommene Tiger Moth und Wirraway. Fluglehre und Flugschueler sitzen in der Winjeel nebeneinander, wobei noch eine dritte Person dahinter Platz findet. Als Antrieb dient ein luftgekühlter Neunzylinder-Stern-motor von Pratt & Whitney R-985-AN2 Wasp Junior mit 450 PS.

Die Wirraway(in der Eingeborenensprache: Kampf) ist die australische Lizenzausfuehrung der North Americans NA-16, ein Mehrzweck- und Schulungsflugzeug. Ueber 1300 Flugzeuge wurden gefertigt, wobei einige Muster als Bomber- und Sturzkampfbomber zu Erprobungszwecken hergestellt wurden.

Nach der Weiterentwicklung aus der 1 ½-Strutter benannt, war die Sopwith Pup ein sehr angenehm zu fliegender Jaeger mit unvergleichlichen Flugeigenschaften. Ihre Konstruktion war nichts Neues oder gar aussergewoehnlich, aber dennoch sehr gut ausgewogen. Aufgrund ihrer Beweglichkeit konnte sie nach ihrer Indienststellung im Sommer 1916 auch gegen vermeintlich ueberlegene Gegener bestehen. Dies verdankte die Pup zum Teil ihrer sehr niedrigen Flaechenbelastung, die auch zu ihrer Hoehenleistung positiv beitrug. An dieser Stelle waere noch zu erwaehnen, dass es eine Pup war, die als erstes Flugzeug auf dem Deck eines auf See befindlichen Schiffes erfolgreich landete.


Die aus der Seegull Mk III weiterentwickelte Supermarine „Walrus“ flog erstmals im Juni 1933 als Seegull Mk V. Australien uebernahm das Muster als Seegull Mk V, drei Monate nach der Bestellung durch die RAF im Mai 1936 wurde der Name offiziell dann in Walrus geaendert. Die Walrus Mk I hatte einen Bootsrumpf aus Metall und als Antrieb diente ein Bristol-Pegasus-II M2-Sternmotor mit 628 PS. Eingesetzt wurde sie bei Luft- und Seenotrettungsstaffeln sowie in einer Minensucheinheit. Bei weiteren Varianten zog man es aus Gewichtsgruenden jedoch vor, auch den Bootsrumpf aus Holz herzustellen.

Vor, waehrend und nach dem zweiten Weltkrieg war die Tiger Moth mit ueber 7000 Stueck Flugmuster das allgegenwaertige Schulungsflugzeug bei der Royal Air Force und den Luftstreikraeften der Commonwealth- Laendern. Die vorgezogene obere Tragflaeche sollte dem Piloten im Fall der Faelle den Ausstieg erleichtern.


Mit drei Maschinengewaehren bewaffnet, zwei 7,7mm-Vickers MGs im Bug und ein 7,7mm-Lewis MG fuer den Heckschuetzen sollte man der Hawker Demon besser aus dem Wege gehen. Als zweisitziger Jaeger war sie der Nachfolger der Hawker Fury, an Motorleistung zwar unterlegen, jedoch durch den zweiten Schuetzen in ihrer Kampfkraft weit ueberlegen. Insg. 14 Jagdstaffeln der RAF und der RAAF wurden mit den 239 produzierten Flugzeugen ausgestattet.

Als Prototyp XF-86 absolvierte das Jagdflugzeug North American F-86 „Sabre“ seinen Erstflug im Jahre 1947. Angetrieben durch ein General Electric J-47 GE-13 Triebwerk mit 2.400 kp Schubkraft war man waehrend des Korekriegs dennoch der MiG-15 in max. Flughoehe und Kurvenmanoevriemoeglichkeit unterlegen.

Viele Aermacchi MB-326, die in ihrer Heimat Italien, Australien, Brasilien und Suedafrika gebaut werden, dienen weiterhin als Uebungs- und Ausbildungstrainer sowie als leichtes Erdkampfflugzeug.

Die einzigartige Rumpfkonstruktion des Doppelleitwerktraegers der De Havilland „Vampire“ sollte die Konstruktion der Triebwerksektion so kurz und wirksam wie moeglich halten. Obwohl der Erstflug bereits 1943 absolviert wurde, wurde die „Vampire“ erst nach Kriegsende in den militaerischen Dienst uebernommen.


Als Vorprojekt zur spaeter viel groesseren Avro „Vulcan“ entstand dieser Prototyp.

Die English Electric „Canberra“Mk 20 war urspruenglich als leichter taktischer Bomber konzipiert, dessen geringe Fluegelstreckung Treibstoff sparen, die max. Dienstgipfelhöhe erweitern und das Flugzeug wendiger machen sollte. Die erste Serienversion hob 1951 unter der Modellbezeichnung  B.Mk 2 ab, war mit Avon-Mk 101 Triebwerken ausgestattet und fuer insg. drei Mann Besatzung gedacht. 430 Modelle von diesem Typ und weitere 103 Modelle des Typs B.Mk 6 verliessen die Werkshallen in Richtung 35 Staffen, verteilt auf das westliche Europa.


Die Briten waren es, die dem Amerikanischen Angriffsbomber A-20 den Namen „Bristol“ verliehen. Zum Teil mit zwei Stueck Pratt & Whitney R-1830 Sternmotoren wurde der Bomber auch in verschiedenen Versionen mit Wright R-2600 Triebwerken ausgestattet. Bei einer Bewaffnung mit acht 7,7mm MGs, vier davon in festen Bugstationen sowie je zwei MGs auf der Rumpfober- und Unterseite wusste man sich damals schon gegen feindliche Jaeger zu verteidigen

Nachdem sich die Auslieferung der F-111 an die Australische Luftwaffe durch die USAF verzoegert hatte und man so auf einem Vertragsbruch zusteuerte, bot die USAF an, fuer die Uebergangszeit Phantom F-4E auszuleihen. Eine dieser Maschinen fand nun mehr den Weg zurueck in die Heimat und ist jetzt auch hier in Point Cook zu bewundern.


Eines der vielseitigsten Flugzeuge, das derzeit im Dienst steht, ist unbestritten die Lockheed C-130 „Hercules“. Zahlreiche Varianten entstanden aus dem urspruenglichen Langstreckentransporter, sei es fuer Passagier- oder Nutzlasttransport, zur Luftbetankung oder elektronischer Kampffuehrung, fuer jeden Bereich gibt es eine passende Ausfuehrung. Angetrieben durch vier Allison T56-A-17 Triebwerken mit je 4.107 Wellen-PS wird eine Reisegeschwindigkeit von ueber 600km/h erreicht.

Die als modernes Hochleistungsflugzeug fuer Ausbildung geplante North American AT-6C „Harvard“ IIA wurde im Laufe der Jahre zu einem der wichtigsten Schulflugzeugtypen ueberhaupt. Zahlreiche Luftstreitkraefte setzten diesen zweisitzigen Tiefdecker zur fliegerischen Grund- und Fortgeschrittenenausbildung in ihren Flugausbildungsstaffeln ein. Ausgestattet mit einem Pratt & Whitney R-1340-39 Wasp Sternmotor mit einer Leistung von 558 PS erreichte der Trainer eine Reisegeschwindigkeit von 273km/h, die Reichweite betrug immerhin 1.200 km.

Die Bristol 170 Freighter MK21E wurde Ende des zweiten Weltkriegs speziell fuer kleine Flugplaetze auch ohne fester Lande- und Startbahnen geschaffen. Bis 1958 verliessen insgesamt 214 Flugzeuge die Produktionshallen, wobei 16 Modelle als „Wayfarer“ der Personenbefoerderung und die restlichen Modelle als „Freighter“ zur reinen Nutzlastbefoerderung dienten.



Oeffnungszeiten sind wie folgt(ohne Gewaehr):
Montag: Ruhetag Der Eintritt ist frei, man muss sich lediglich am Haupttor ausweisen und registrieren lassen, daher einen Ausweis nicht vergessen!
Dienstag bis Freitag: von 10:00 Uhr bis 15:00 Uhr
Wochenende und Ferientage: von 10:00 Uhr bis 17:00 Uhr

Offizielle Internetadresse: http://www.raafmuseum.com.au eMail Kontakt unter: raafmus@ozemail.com.au

Mit Stolz koennen die Museumsbetreiber behaupten: „Unser Museum lebt“! Mein besonderer Dank gilt Teena Cardillo und Ihren Mitarbeiter/innen, ohne deren Mithilfe und Zusammenarbeit dieser Report so haette nicht erstellt werden koennen.