Onboard eines Heissluftballons ueber der Wetterau

Schon lange war es der Wunsch meines Vaters und auch von mir, mal in einem Heissluftballon fast lautlos ueber der Erde zu schweben, bzw. man sagt ja FAHREN. Gesagt getan und Kontakt zum Ballon-Club Kinzig e.V. aufgenommen. Mit Heinz Lach, unserem Ballonpiloten, wurde rege telefoniert um endlich DEN Tag zu erwischen, wo auch das Wetter mitspielt und sich mal wieder von seiner besseren Seite zeigt. Mitte Oktober war es dann soweit, ein Anruf Abends vom Piloten und den Treffpunkt fuer morgens o7.00Uhr vereinbart...

Der Sportplatz in Lissberg/ Ortenberg dient uns an dem kalten, aber wolkenlosen Oktobermorgen als Startplatz. Drei Passagiere und ein Pilot sind fuer den Ballonkorb heute vorgesehen. Udo Hack und sein Sohn sind im Verfolgerwagen am Boden unterwegs und versuchen uns auf der Spur zu bleiben...

Alle sind gefordert und packen kraeftig mit an (klar, ausser der Fotograf *grins*). Heinz verspricht uns puenktlich zum Sonnenaufgang in der Luft zu sein. Das gesamte Team legt sich maechtig ins Zeug und der Ballon nimmt so langsam Form an. Der Korb steht bereits aufgebaut mit den beiden Brennern und als naechstes wird die Ballonhuelle ausgepackt...

Heinz bringt eines der beiden GPS-Geraete an, schliesslich ist Sicherheit auch hier hoechstes Gebot. Die Brenner werden auf Funktion geprueft und schon mal "warm gemacht"...

Udo hat inzwischen die Ballonhuelle mit dem zur Seite gekippten Korb gekoppelt und es wird mit einem Benzinventilator, der einem kleinen Propeller aehnelt, Luft in die Huelle befoerdert. Es kommt "Leben" in unseren Ballon...

Bevor mit den beiden Brennern heisse Luft in die Huelle gepustet wird, geht der Pilot ein letztes Mal um die Huelle und kontrolliert u.a. am oberen Ende die Ventile auf korrekten Verschluss...

Genau bis hier hin fand ich die Sache ja ganz cool und normal. Dann heisst es auf einmal, ALLE MANN AN BORD!!! Ich habe es noch gar nicht gespuert, aber wir FAHREN und entschweben ganz langsam der Erde...

"MANNOMANN...wie "geil" ist das denn", schiesst es mir so durch den Kopf, als ploetzlich hinter dem Wald die Sonne aufgeht. Nicht, dass ich noch keinen Sonnenaufgang gesehen haette, aber sicher noch nie aus der Perspektive unter solch genialen Umstaenden. Wir verlassen Lissberg mit Richtung West-Nord-West, mal sehen wo uns der Wind hintraegt...

Wir geniessen einfach den herrlichen Ausblick und die Ruhe vor Ort, sofern der Brenner aus ist. Am Horizont sieht man wie der Nebel über die Fluesse wabert und den Kampf gegen die Sonnen aufnimmt...

Ein kurzes Selbstportrait um mal die komplette Besatzung aufs Bild zu bekommen. Heinz verringert unsere Fahrtgeschwindigkeit indem er den Ballon hinter dem Wald im Windschatten einfach etwas absinken laesst, da die Luft am Boden heute so gut wie keine Bewegung zeigt. So koennen wir etwas auf unsere beiden Verfolger warten und die Ruhe noch laenger geniessen. Nach einer kurzen Verschnaufpause in der Luft gewinnen wir wieder schnell an Hoehe und erleben unseren zweiten Sonnenaufgang...*zwinker*

Beeindruckt von dem ganzen Geschehen versuche ich etwas mit dem Licht zu spielen, um so unseren Eindruck von dort oben rueber zu bringen...

Der Wind traegt uns ueber Wallernhausen, vorbei an Nidda und Geiss-Nidda. Hier fahren wir etwas tiefer ueber die Ortschaft und wuenschen den Bewohnern, sofern sie schon auf sind, einen GUTEN MORGEN aus luftiger Hoehe. Der Stand der Sonne laesst es inzwischen zu, dass ich ein paar Mal unseren eigenen Schatten mit aufs Bild bekomme...

   

Ich riskier da oben mal eine Freihandpanoramaaufnahme, am Computer spaeter zusammengesetzt aus 8 Hochkantaufnahmen. Der Blick in Richtung unseres Schattens in der Bildmitte zeigt in etwa unsere Fahrtrichtung nach Nordwesten...

Der Tagebau zwischen Ober- und Unter-Widdershaim liegt uns nun zu Fuessen. Unser Pilot Heinz schaut auf die Karte und sagt, dass wir mit etwas Glueck bald einen der drei Inheidener Seen ueberfahren werden...

Und er sollte mit dem See Recht behalten, im Wasser unter uns ist unser Spiegelbild zu erkennen. Suedlich an Hungen vorbei und ueber die Felder zwischen Langsdorf und Bettenhausen treiben uns die Winde in Richtung Lich...

Bevor wir jedoch Lich erreichen koennen treibt uns der Wind weiter westwaerts auf die Ortschaft Birklar zu.Unser Pilot entscheidet sich hier fuer eine sichere Landung. Da schon drei von vier Gasflaschenfuellungen verbraucht sind steuert Heinz ein freies Feld an und wir sinken wieder sachte nach unten. Bei einer Windgeschwindigkeit von fast null machen wir eine Einpunktlandung...

"Die Luft ist raus", und es heisst wieder fuer alle mit anpacken. Gasflaschen raus aus dem Korb, den Korb umkippen und mit einem sogenannten "Faulenzer" die restliche Luft aus der Ballonhuelle druecken...

Ein Highlight nach dem anderen...gerade noch hoch oben ueber die Erde gefahren erwartet uns nun ein zuenftiges Sektfruehstuck à la Heinz Lach. Was nun noch folgt ist die Ballontaufe von meinem Vater und mir als Erstfahrer. Ganz der Tradition nach, dass frueher nur Adlige Ballon fahren durften, werde ich von dem Piloten auf den Namen getauft:
>>> Junker Wolfgang, Ritter von Objektiv und Blende, zur aufgehenden Sonne in die Luefte steigender Edler zu Nidda <<<

Ein paar Daten:
Treffpunkt in Langenselbold: o7.00Uhr, Start: o8.07Uhr, Landung: o9.30Uhr.....reine Flugzeit: 1:23h, max. Flughoehe 326m

Fazit:
Ein schier unbeschreibbares Gefuehl so durch die Luft zu fahren..."TRAUMHAFT" und "SENSATIONELL" sind hier sehr treffend!
 

Infos zum Ballon-Club Kinzig e.V.:
E-Mail: info@ballonclub-kinzig.de
Internet: www.ballonclub-kinzig.de

 

Ganz herzlich moechte ich mich bei dem Piloten Heinz Lach und unseren beiden Verfolger, Udo Hack samt Sohn, bedanken,
die es meinem Vater und mir ermoeglicht haben, unsere beider Jugendtraum gemeinsam zu erleben.