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Seit ueber 60 Jahren betreibt die Schweizer Luftwaffe auf der Ebenfluh, hoch ueber dem kleinen Bergdorf Axalp, auf mehr als 2200m ueber dem Meer, den am hoechsten gelegenen Fliegerschiessplatz Europas. Alljaehrlich im Oktober findet dort eine weltweit wohl einmalige, oeffentliche Fliegerschiessdemonstration statt, die im Terminkalender jedes eingefleischten Enthusiasten der Militaerluftfahrt in der Schweiz und im nahen Ausland einen festen Platz einnimmt, bietet sie doch die einzigartige Gelegenheit, den Einsatz von Bordwaffen und das spektakulaere Fliegen im hochalpinen Gelaende hautnah mitzuerleben. Ueber diese beeindruckenden Vorfuehrungen wurde schon oft berichtet. Wir moechten hierfuer einmal den Schiessplatz in den Mittelpunkt unseres Berichts ruecken und einen ausfuehrlichen Blick hinter die Kulissen der Schiessuebungen der Schweizer Luftwaffe wagen.
Der Fliegerschiessplatz Axalp entstand waehrend des zweiten Weltkriegs. Aufgrund des Kriegsausbruchs wurden die Schweizer Fliegertruppen zum Zweck des Neutralitaetsschutzes rapide ausgebaut und vergroessert. Weil damals die Treffsicherheit vieler Piloten unter den Erwartungen lag und um dem drastisch gestiegenen Ausbildungsbedarf gerecht zu werden, wurde der Aufbau mehrerer Fliegerschiessplaetze beschlossen. Auf der Ebenfluh, zwischen den Gipfeln von Gaerstenhorn und Axalphorn im Berner Oberland, fand man ein ideales Gelaende, und im Herbst/Winter 1942/43 konnte der Fliegerschiessplatz Axalp erstmals seinen Betrieb aufnehmen.
Die Ziele befinden sich an drei unterschiedlichen Standorten und sind jeweils nur einige hundert Meter vom Schiess-KP (Kommandoposten) entfernt. Sie bestehen aus jeweils zwei orange-farbenen Baendern, die ca. 1,5 x 8 Meter gross sind. Normalerweise fliegen die Piloten in Zweierpatrouillen als Teil eines Verbandes von bis zu acht Flugzeugen einen Parcours ab, in dessen Verlauf sie jedes Ziel auf jeweils zwei verschiedenen Achsen angreifen. Sicherheit ist dabei oberstes Gebot. Kann ein Pilot sein Ziel nicht einwandfrei erkennen, weil er z.B. von der tief stehenden Sonne geblendet wird oder das Ziel durch Wolkenfetzen verdeckt ist, darf er seine Waffen nicht ausloesen.
Neben dem Einsatz der Bordkanonen wurden frueher auch der Bombenabwurf und der Abschuss von ungelenkten Raketen trainiert. Seit dem Ausscheiden des Hawker Hunter aus der Schweizer Luftwaffe 1994 und der damit verbundenen Aufgabe des Erdkampfes, wird auf der Ebenfluh der scharfe Schuss auf Bodenziele aber nur noch mit den Bordkanonen geuebt.
Weil waehrend der Sommermonate das ganze Gebiet ein beliebtes Ausflugsziel fuer Wanderer ist und die saftigen Alpwiesen von Kuehen bevoelkert werden, ist der Schiessplatz jeweils nur von Oktober bis Mai in Betrieb.
Verantwortlich fuer den sicheren und effizienten Ablauf des Schiesstrainings ist der Schiessleiter. In den letzten Jahren war dies Oberstleutnant Hanspeter Suter, der selber auch Berufsmilitaerpilot im Ueberwachungsgeschwader (UeG) ist. Neben der Koordination der Flugbewegungen mit dem nahen Flugplatz Meiringen, gehoeren die Beobachtung, Beurteilung und Korrektur der Schiessuebungen zu seinen Hauptaufgaben.
Unterstuetzt von einem oder zwei Assistenten, die jeweils per Fernglas die Trefferlage beurteilen, beobachtet der Schiessleiter die Zielanfluege. Wichtige Kriterien sind dabei Anflugwinkel und Geschwindigkeit, sowie die Einteilung (Timing) des ganzen Anfluges mit Hochziehen aus der Gelaendedeckung, Eindrehen auf die Angriffsachse, Ausrichten aufs Ziel, rechtzeitige Waffenausloesung und Abfangen. Allfaellige Korrekturen werden jeweils sofort per Funk uebermittelt, so dass sie der betreffende Pilot schon bei seinem naechsten Anflug beruecksichtigen kann.
Die Schweizer Luftwaffe will das Bordkanonenschiessen auf die Ziele auf der Ebenfluh auch in Zukunft beibehalten, weil damit ein vielfaeltiger und rascher Trainingseffekt erzielt werden kann. Neben der reinen Verbesserung der Treffsicherheit verlangt das Abfliegen des hochalpinen Schiessparcours von einem Piloten allerhoechste Aufmerksamkeit, weil er sich gleichzeitig auf verschiedene Aufgaben zu konzentrieren hat. Er muss sein Flugzeug steuern und jederzeit unter Kontrolle haben, rechtzeitig im Cockpit den Kanoneneinsatz vorbereiten, jeden Zielanflug korrekt einteilen, die Waffenausloesung so setzen, dass eine maximale Wirkung im Ziel erreicht werden kann, dabei den Abstand zu seinem Fluegelmann und den uebrigen Maschinen im Verband einhalten, und schliesslich muss er auch staendig das Gelaende im Auge behalten, zumal die umliegenden Berge als Deckung fuer die An- und Abfluege genutzt werden und die Flughoehe daher entsprechend niedrig ist. Hinzu kommen auch noch meteorologische Besonderheiten auf die ein Pilot beim Fliegen im Hochgebirge achten muss, wie z.B. rapide Wetterumschwuenge und lokal sehr unterschiedliche Windverhaeltnisse. Alle diese Punkte helfen einem Piloten auch, seine eigenen Grenzen und die seines Flugzeuges richtig einzuschaetzen.
Wie bereits eingangs erwaehnt, findet jedes Jahr im Oktober auf der Ebenfluh eine oeffentliche Fliegerschiessdemonstration statt. Diese soll den hohen Ausbildungsstand und die Leistungsfaehigkeit der Schweizer Luftwaffe zeigen. Tatsaechlich werden die Schiessuebungen waehrend der Vorfuehrung teilweise von Milizpiloten ausgefuehrt, fuer die diese Fluege Teil der regulaeren, vorgeschriebenen Kurse sind. Diese Milizpiloten ruecken jeweils nur wenige Tage zuvor zu einem solchen Trainingskurs ein.
Neben den reinen Schiessuebungen werden auch noch andere Einsatzarten der Schweizer Luftwaffe vorgefuehrt, z.B. Hubschrauber bei einem Feuerloescheinsatz und bei der Windenbergung eines Verletzten, aber auch der Ablauf einer Abfangjagd mit anschliessendem Luftkampf, oder eine taktische Gefechtsfeldaufklaerung. Das rund 90 Minuten dauernde Programm wird durch reine Showelemente wie einem F/A-18 Solodisplay ergaenzt, und den kroenenden Abschluss bildet jeweils die Patrouille Suisse mit einer speziellen, der Topografie angepassten Vorfuehrung.
Die schneebedeckten Gipfel des Berner Oberlandes bilden dabei die passende, spektakulaere Kulisse fuer diese aussergewoehnliche Leistungsschau.
Sollten Sie sich nun
auch mal entschliessen, diese einzigartige Flugshow der Extraklasse rund
ums
Schweizer Axalphorn aus naechster Naehe vor Ort selbst betrachten zu
wolllen, haben wir hier noch einige nuetzliche Infos fuer Sie:
Ganz herzlich moechte ich mich bei
meinen beiden Tour-Begleitern |